Nach den kreiselnden 12- und 24-Stundenläufern, den kilometerfressenden Etappen-Strassenläufern konnte ich hier eine dritte eigenständige Spezies der verrückten Extremrenner kennenlernen : Die einsamen 100-Meilen-Läufer.
Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit ihren GPS-Geräten stundenlang auf weglosen Pfaden durch die Landschaft irren, Teerstrecken geradezu hassen und selbst Ihre Wettkämpfe mit Mini-Teilnehmerfeldern unbemerkt von der Öffentlichkeit absolvieren.
So auch hier : Das Teilnehmerfeld ist reguliert auf max. 12 Läufer/innen, in der Starterliste standen bis zu 7, von denen verletzungsbedingt nur 4 Starter übrig blieben und davon 2 ins Ziel kamen.
Dies ermöglicht eine familiäre Atmosphäre : Die vorabendliche Wettkampfbesprechung sowie der wichtigste Verpflegungspunkt, der nach jeder von 5 verschiedenen Runden angelaufen wird, finden im Esszimmer des Veranstalters statt. Weitere Verpflegungen erfolgen aus einem PKW-Kofferaum, einem Wohnmobil oder auch nur aus unbemannt abgestellten Kisten. An einem mehrfach zu durchlaufenden unbemannten Wendepunkt muss man durch Herausreissen einer Buchseite nachweisen, dass man da war.
Das Mini-Teilnehmerfeld wurde noch in 3 Startgruppen am Samstag um 7:30h, 8:00h und 8:30h eingeteilt. Der dauerhafte Nieselregen sorgte zwar für Auskühlung, so dass ich ab der 3. Runde mit Trainingsanzug lief, war aber letzlich angenehmer als zu heisses Wetter. Zeit kosteten auch weniger die 4636 Höhenmeter, sondern eher die Trailabschnitte über Baumfällarbeiten, durch Schluchten und Gestrüpp, in denen man statt Laufen maximal Gehen oder Kriechen kann. Ein zeitraubender Verlaufer in der 4. Runde kostete mich auch noch die anvisierte Zeit von unter 20 h. Aber Sonntag um 4:39h (also vorm Regenaufgang), wenn andere aus der Disko kommen, war ich im Ziel und hatte neuen Streckenrekord für die seit 2002 so gelaufenene Strecke erlaufen !
Stephan Hloucal beendete vernünftigerweise nach 100km, da er erst eine Woche zuvor einen 200km-Trail-Wettkampf durch den Harz absolviert hatte. Walter Mödinger stieg nach 118km evtl. etwas verkühlt, zu schlecht ausgerüstet und eingeteilt aus.
Nur Hans-Dieter Weisshaar stapfte noch tapfer bis Sonntag 15:02h weiter ins Ziel !
Eine von vielen ähnlichen Schluchten :
Die Ergebnisliste hier ausnahmsweise mal komplett :
1. 20:09:07 h Herget, Thomas LG Fulda 1967 (M45)
2. 31:32:41 h Weißhaar, Hans-Dieter Marathon Club Kassel 1940 (M70)
Den Veranstalter Hans-Dieter Weisshaar kann man als Mister 100-Meilen bezeichnen, denn er führt eine Liste von über 130 gefinishten 100-Milern im Alter von 58 bis jetzt 71 !! Und erlässt es sich nicht nehmen, in seiner nächsten Veranstaltung nur 1 Woche später erneut die 100 Meilen zu laufen !
Erstaunlicherweise überstand ich die Distanz trotz Dauerregen ohne Blasen oder Scheuerstellen, nur ein Schienbeinmuskel ist geschwollen.
Wie man für so etwas trainiert ? Ganz einfach : Masse statt Klasse.